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Dienstag, 3. Juli 2012

Neurodermitis Update

Es ist nun fast 3 Jahre her, dass ich mich mit Söhnchen zum ersten Mal in die Spezialklinik Neukirchen einweisen liess und wir endlich Gewissheit darüber erhielten, was mit ihm nicht stimmte. Soweit mir bekannt ist, verwendet Neukirchen als einzige Hautklinik in Deutschland weder Cortisonsalben noch Cortison-Ersatzcremes. Stattdessen führen sie eine wohl einzigartige Phalanx an Tests durch, sie suchen nach Allergien, überprüfen die Darmflora, checken Blutwerte und noch vieles mehr.

Allergiewerte werden in sogenannte RAST-Klassen unterteilt, Klasse 0 bedeutet voraussichtlich keine Reaktion, Klasse 6 bedeutet voraussichtlich schwere Reaktion. Ich schreibe bewusst "voraussichtlich", da der Bluttest keine hundertprozentige Sicherheit bietet, aber sehr gute Anhaltspunkte allemal.

Söhnchens Ergebnis war erst mal ein Schock - Gesamt-IgE von 2122! Ein normaler Wert eines Einjährigen liegt zwischen 0 und 50.



Meine erste Reaktion damals war: Oh Mein Gott! Meine zweite: Endlich wissen wir Bescheid! Meine dritte: Und was soll er jetzt noch essen? Ich kann ihn schlecht nur von Fleisch, Stutenmilch und Bäckerhefe ernähren!

Neukirchen propagiert die sogenannte Rotationsdiät. Die Idee dahinter ist, dass man allergische Reaktionen vermeiden und bestehende leichte Allergien (Rastklasse 1 und 2) sogar "verlernen" kann, wenn man ein Nahrungsmittel nur alle 4 Tage zu sich nimmt. Mangels genügend Alternativen setzte die Diätberaterin für Söhnchen erstmal einen 2-Tagesplan auf. Tag 1: Hirse, Blaubeeren, Rindfleisch. Tag 2: Reis, Himbeeren, Ente. Und so immer im Wechsel.

Den Plan befestigte ich zu Hause an unserem Kühlschrank und er wurde von uns fanatisch befolgt. Der Erfolg stellte sich schnell ein, Söhnchens Haut besserte sich dramatisch. Nach drei Monaten wagte ich das erste Mal, ein neues Lebensmittel einzuführen. Mit Argusaugen beobachtete ich Söhnchens Haut. In den meisten Fällen ging es gut, so dass wir bald einen richtigen 4-Tagesplan hatten, mit Hirse, Reis, Mais und Quinoa, Ente, Pute, Rind und Hirsch, Himbeeren, Kirschen, Brombeeren und Blaubeeren, Kürbis, Blumenkohl, Brokkoli und Spinat. 

Im Jahr darauf reisten wir zur Nachkontrolle nochmal in die Klinik. Besonders auf die Tests warteten wir gespannt. Die Rotationsdiät war ein voller Erfolg gewesen - sein neuer Gesamt-IgE Wert betrug noch 875! Jetzt wagte ich es sogar, langsam wieder Milchprodukte einzuführen, so dass der Speiseplan um Sojamilch und-joghurt, Ziegenmilch und sogar Kuhmilchprodukte erweitert werden konnte. Da seine Glutenunverträglichkeit sich ebenfalls gelegt hatte, zogen "normale" Getreidesorten wie Roggen, Hafer, Gerste und sogar Dinkel in seine Diät ein. Und Kartoffeln! Ehemals Rastklasse 5, jetzt nur noch Rastklasse 2. Ein Wort: Pommes!

Nach fast drei Jahren hatte sich die gigantische Allergie-Liste auf drei Haupttäter verringert: Weizen, Eiweiss und Haselnuss. Jemand, der Nahrungsmittelallergien nicht kennt, kann sich wahrscheinlich nicht vorstellen, wie man ohne Weizen, Ei und Haselnuss auskommen kann, aber ich finde es gar nicht schwierig, nicht nach den Reis/Hirsetagen von einst! Wir folgen auch dem Rotationsplan nicht mehr, wobei ich aber schon versuche, ab und zu einen kuhmilchfreien Tag für ihn einzulegen.

Und wie es aussieht, können wir aus drei wohl zwei machen: vor ein paar Tagen knabberte Söhnchen sein allererstes Weizenbrötchen. Und es gab keine Reaktion! Das ist ein Riesending, denn das bedeutet, dass wir endlich uneingeschränkt mobil sind! Ein Brötchen kriegt man schliesslich überall.










Donnerstag, 29. März 2012

Allergien revisited

Ich schreibe hier ja kaum noch über Söhnchens Allergien und Hautprobleme. Das bedeutet aber nicht, dass sie einfach verschwunden wären. Seine Allergien haben sich dank Rotationsdiät auf ein für uns absolut erträgliches Mass reduziert. Ich merke immer erst, wenn wir mit Leuten essen, die uns noch nicht so lange kennen, dass es doch noch eine ganze Menge ist: Weizen, Ei, Haselnuss, Banane, Hundehaare, Pollen, Apfel. (Beispiel letzter Grillnachmittag, als unsere Freundin sich so bemüht hat, den Nudelsalat Söhnchen-freundlich zu gestalten. Nur die Nudeln selber, die waren halt aus Weizen :-) ).

Wir können damit mittlerweile sehr entspannt umgehen, weil seine Allergien nicht lebensbedrohlich sind und weil wir wissen, dass wir seine Haut wieder in Griff kriegen, wenn es mal daneben geht. Trotzdem bin ich natürlich sehr am Zusammenhängen von Ernährung und Krankheiten interessiert und bin gestern auf einen Blogeintrag gestossen, der auch mich überrascht hat und den ich gern weiterverteilen möchte: Tics in Children

Viel Spass beim Lesen und Nachdenken!

Dienstag, 17. Januar 2012

Impfung

Wir haben uns von unserem Doktor breitschlagen lassen und verabreichen den Kids als nächstes eine Vierfach-Impfung: Tetanus, Polio, Pertussis, Diphterie. Eigentlich würden wir nur Tetanus und Polio impfen wollen, aber der Kinderarzt meinte, dass bei getrennten Impfungen die Zusatzstoffe, die zur Haltbarmachung usw in den Impfstoffen enthalten sind, schlimmer wären als die Kombination der Virenteile. Der Beste Ehemann und ich waren ziemlich unentschlossen. Unsere große Sorge ist, dass Söhnchen wieder in die Allergiespirale gerät.

Teufel versus Beelzebub...

Bitte bitte bitte, Murphy oder wer auch immer dies liest: mach, dass die Kinder die Impfung gut vertragen, dass sie gesund bleiben, dass das nicht genau die falsche Entscheidung war... Mach, dass der nächste Eintrag nicht so aussieht:


Freitag, 3. September 2010

Danke

Bei unserem Besuch der Spezialklinik Neukirchen letztes Jahr stand ich oft vor den "vorher-nachher" Bildern anderer kleiner Patienten, um mir Mut zu machen. Auch wenn ich nicht wirklich daran glaubte, so nahm ich mir doch damals fest vor, wenn Söhnchen auch gesund werden sollte, dann würde ich auch ein Plakat für den Gang beim Cremezimmer zusammenstellen.

Wenn ich die Bilder in ihrem Gegensatz direkt nebeneinander sehe, dann wird mir noch einmal so richtig bewusst, wie weit wir gekommen sind.

Danke an das Team der Spezialklinik Neukirchen, ganz besonders Danke an Frau Dr. Sachs, an Frau Vogl, an Schwester Tanja und Schwester Petra. Und vielen Dank ans Küchenteam, die einen wunderbaren Hirse-Blaubeerkuchen für seinen ersten Geburtstag zauberten. Ohne Euch alle hätten wir es nie geschafft.
Wir sind natürlich noch nicht angekommen, er ist nicht ganz gesund, die Angst vor einem neuen Ausbruch schwingt bei jedem roten Pünktchen in seinem Gesicht mit. Aber trotz allem: wenn es so bleibt, wie es jetzt ist, dann ist es gut.
Posted by Picasa

Samstag, 21. August 2010

Spezialklinik Neukirchen - Repeat

Wie auch bei unserem ersten Klinikaufenthalt im November verging die Zeit wie im Fluge. Wir waren für 2 Wochen in die Spezialklinik Neukirchen zurückgekehrt, zur Nachkontrolle, und auch weil Söhnchens Beine immer noch arg zerkratzt sind. Natürlich stellte sich heraus, dass er wieder verschiedene Bakterienstämme auf der Haut hat, die mit antibiotischer Creme vertrieben werden mussten. Aber uns ging es eigentlich vor allem um die Wiederholung der Allergietests und dem Vergleich zu unseren Ergebnissen vom November (link).

Alles in allem erhielten wir supergute Nachrichten. Sein Gesamt-IGE Wert ist von 2100 auf 680 gesunken, in nur 9 Monaten! Er hat keine Glutenunverträglichkeit! Sogar Kartoffeln könnte er vielleicht in naher Zukunft vertragen. Die (wenigen) schlechten Nachrichten: er hat eine Histaminunverträglichkeit, und einen Darm-Parasiten, bei dem aber laut Frau Dr. Sachs die Therapie schlimmer wäre als der Parasit selbst, deswegen bleibt der uns wohl erst mal erhalten.

Wie auch beim letzten Mal konnte ich wieder ein buntes Menschen-Kaleidoskop beobachten. Natürlich darf man nicht vergessen, dass die Spezialklinik Neukirchen für viele Patienten die letzte Hoffnung darstellt, Leute, die teilweise lange Leidensjahre hinter sich haben. Und die dann halt dabei auch die eine oder andere Macke entwickeln. Ich finde es nur etwas unverständlich, wenn man in diese Klinik kommt und sich dann auf das Konzept nicht einlässt. Man muss dem Ganzen natürlich auch eine Chance geben. Wir wären jedenfalls ohne die Erkenntnisse, die wir aus Neukirchen mitgebracht haben, aufgeschmissen.

Jedenfalls drücken wir allen Babys und Kindern dort ganz fest die Daumen, dass sie die ND gut in den Griff bekommen! Und wünschen den Eltern ruhige Nächte - mit genug Schlaf erträgt sich vieles leichter.

Es kann nur besser werden!

Sonntag, 21. Februar 2010

Eiscreme

Heute haben wir das unerwartet sonnige Wetter ausgenutzt und waren Eis essen. Alle vier, inklusive Söhnchen! Der Kleine hat mit Wonne seine allererste Kugel Eis (Himbeereis, garantiert ohne Milch, allerdings mit etwas Zitronensäure) verdrückt. Davon hätte ich letztes Jahr nicht einmal zu träumen gewagt. Wie eine ganz normale Familie, mit ganz gesunden Kindern.

Bis heute abend zumindest hat sich seine Haut nicht wesentlich verschlechtert, hoffen wir mal, dass die Zitronensäure sich nicht weiter auswirkt... Es bleibt spannend!

Dienstag, 29. Dezember 2009

Glücksjahr 2009

Ich werde übermorgen, also am letzten Tage des Jahres 2009, eine Flasche des besten Lidl-Champagners öffnen, um das Ende eines unserer schlimmeren Jahre zu feiern.

Aber vielleicht seh ich das ja auch alles falsch. Vielleicht hatten wir auch einfach super viel Glück dieses Jahr. Mal sehen:

- Am 7. Januar überlebte Töchterchen einen Schlittenunfall, bei dem sie sich einen Schädelbruch zuzog. Glücklicherweise floss das Blut nach aussen (resultierend in einem ziemlich furchtbar zugeschwollenen blauen Auge) und nicht nach innen, es kam also zu keiner Hirnverletzung und keinen langfristigen Schäden. Das Auge sieht mittlerweile wieder ganz normal aus und dank Osteopathie ist es wieder genauso groß wie das andere Auge.

- Im März führte ein Leck in der Gasleitung glücklicherweise nicht dazu, das Haus in die Luft zu sprengen. Wäre selbiges Leck 2 Tage später aufgetreten, wären wir 4 Tage bei meiner Mutter gewesen, das Haus wäre schön voller Gas gelaufen und wir hätten als erstes beim Heimkommen das Licht angemacht... Ausserdem führte das Leck dazu, dass BE den Füllstand kontrollierte und ihn dann recht panisch auffüllen lies :-).

- Im April durften wir einen Notfallhubschraubereinsatz live und in Farbe miterleben, als Töchterchen auf eine Nuss allergisch reagierte. Zum Glück schwollen nur ihre Nasenschleimhäute zu, die Schwellung bezog sich aufs Gesicht und ging nicht auf den Hals über.

- Im Mai begann ich mein Selbststudium in Allergologie und Ernährungskunde, ausgelöst durch Söhnchens sich ständig verschlimmernde Neurodermitis. Es ist doch immer gut, sich weiterzubilden. Ausserdem erweiterte seine Krankheit meinen Bekanntenkreis ungemein, es ist immer wieder schön, auf sein Gesicht angesprochen zu werden. Aber ernsthaft, ohne seine ND hätte ich einige tolle Frauen nicht kennengelernt.

- Im Juli starb meine Oma. Selbst dies ist vielleicht ein Glücksfall, blieben ihr vielleicht Jahre als bettlägeriger Pflegefall erspart. Oma, ich glaub fest daran, dass Du jetzt ein Stern bist und auf uns alle niederlächelst.

- Auf der Heimfahrt von der Beerdigung bekam ich eine Hauptrolle in einem bayrischen Film, gesponsort von der Polizei. Die Rolle stellte sich aber im nachhinein als ziemlich kostspielig heraus, 4 Wochen Führerscheinentzug und 270 Euro, nur weil ich bei 150 kmh einen Mercedes freundlich darauf hinweisen wollte, die Spur zu wechseln, und um mein Ansinnen deutlich zu machen, ich auf 17 Meter rangefahren war. Es hätte schliesslich wesentlich schlimmer kommen können, in der Schweiz hätte das gleiche Vergehen 3 Monate Führerschein gekostet. Ausserdem konnte ich glücklicherweise den Führerschein abgeben, als ich mit Söhnchen in der Spezialklinik Neukirchen weilte, und wer braucht den schon im tiefsten Bayern?

- Und damit sich der BE nicht übergangen fühlt, entwickelte sich im November ein Leberfleck bei ihm zu einem Abszess, den nichtmal unsere Hausärztin aufschneiden wollte, da musste ein Chirurg her. Als echter Mann lehnte er übrigens die Vollnarkose ab, die ihm angeboten wurde. Und weil einmal ja keinmal ist, entzündeten sich 4 Wochen später die beiden Nachbarflecke auch noch. Da werden wir sicher im nächsten Jahr auch noch unseren Spass haben!

Alles in allem war es also ein glückliches, wenn auch ereignisreiches Jahr. Immerhin leben wir noch! Naja, fast alle. Und sind fast alle gesund. Und sind zusammen.

Wie auch immer, ich werde übermorgen wohl meinen Lieblingstoast ausbringen, ein Zitat aus Tucholskys "Schloß Gripsholm":

'Das war jene friesische Bauerntochter gewesen, die im Dreißigjährigen Kriege von den Landsknechten an den Tisch gezerrt wurde; sie hatten alles ausgeräubert, den Weinkeller und die Räucherkammer, die Obstbretter und den Wäscheschrank, und der Bauer stand daneben und rang die Hände. Roh hatten sie das Mädchen herbeigeholt -- he! da stand sie, trotzig und gar nicht verängstigt. Sie sollte einen Trinkspruch ausbringen! Und warfen dem Bauern eine Flasche an den Kopf und drückten ihr ein volles Glas in die Hand.

Da hob Martje Flor Stimme und Glas, und es wurde ganz still in dem kleinen Zimmer, als sie ihre Worte sagte, und alle Niederdeutschen kennen sie.
»Up dat et uns wohl goh up unsre ohlen Dage --!« sagte sie.'
Und jetzt hoffe ich nur, diesen Einträg nicht noch verlängern zu müssen!!!

Montag, 23. November 2009

Allergietests in Neukirchen

Wir sind jetzt mittlerweile seit 3 Wochen hier und werden voraussichtlich Samstag entlassen. Seine Haut hat zwar noch einen weiten Weg vor sich, besonders an den Beinen sieht es nicht schön aus. Aber wir haben alle Tests durchgeführt, die hier so angeboten werden, Antibiotika bekommt er auch nicht mehr, also ab jetzt wird eigentlich nur noch gecremt und das können wir auch zu Hause.

Die Tests und ihre Ergebnisse:

IGE Allergietest:
Es wurden mehrere Nahrungsmittelkategorien getestet, waren diese positiv, wurden sie noch weiter aufgeschlüsselt. Damit man die Werte besser lesen kann, wurden sie in RAS Klassen 0-6 eingeteilt. Der Gesamt-IGE-Wert gibt die Allergiebereitschaft wieder und sollte für ein Kind in diesem Alter zwischen 0 und 50 betragen. Söhnchens ist 2200. Weizen, Eiweiss und Kartoffel 5, Banane, Hund, Katze 4, alle Getreide ausser Reis 3, Milch auch 3.

Histamintest:
Ein Wert unter 10 bedeutet, dass eine Histaminunverträglichkeit vorliegt, dass also der Körper das Histamin aus der Nahrung nicht richtig abbauen kann und es damit ins Blut geht. Söhnchens ist knapp über dem Grenzwert mit 11,7.

Glutenunverträglichkeit (Zöliakie):
Hier werden 3 Werte getestet, bei Söhnchen ist einer erhöht, also Glutenunverträglichkeit wahrscheinlich. Wenn Gluten nicht vertragen wird, dann ziehen sich die Darmzotten zurück, damit leidet die Nährstoffaufnahme. Das würde dann erklären, warum er so viel isst und kaum zunimmt.

Urintest:
Bei Söhnchen keine Keime im Urin.

Stuhlprobe:
Keine Parasiten, dafür 2 "falsche" Bakterienstämme im Darm. Daher hat er jetzt 7 Tage Antibiotika bekommen (Humatin), ab morgen erhält er ein Darmsanierungsmedikament. In 2-3 Monaten wird dann erneut eine Stuhlprobe durchgeführt, dann wird das Medikament möglicherweise angepasst.

Ausserdem habe ich heute noch einen IG4 Allergietest beauftragt, den muss man allerdings selber zahlen, da er nicht schulmedizinisch anerkannt ist. Nach dem Debakel mit der Bioresonanztherapie stehe ich diesem Test eigentlich ziemlich misstrauisch gegenüber, aber all knowledge is worth having, right?

Und bei all dieser Testerei ist er trotzdem noch lustig und vergnügt. Ich habe Söhnchen heute zum ersten Mal komplett alleine bandagiert und habe das stolz einer Schwester zur Qualitätskontrolle vorgelegt. "Perfekt", sagte sie, "aber er ist auch eines der bravsten und fröhlichsten Kinder, die ich hier kennengelernt habe. Den sollte man immer dahaben, um an ihm das Maske-Anlegen zu üben."

Freitag, 6. November 2009

Spezialklinik Neukirchen

Seit 4 Tagen sind wir hier, Söhnchen und ich. Wir hoffen, endlich seine Neurodermitis in Griff zu bekommen. Der erste Tag war ziemlich chaotisch, man muss sich hier selbst organisieren, zum Beispiel Termine machen mit dem Labor, der Ernährungsberatung, beim Eincremen usw. Aber mittlerweile finde ich es sehr erholsam, hier platzt keine Krankenschwester ins Zimmer, um einen mit Temperaturmessen etc zu nerven, es gibt keine Pflichtvorträge wie in anderen Kliniken, man bleibt sich selbst überlassen.

Wir haben eine Routine entwickelt. Söhnchen wacht früh auf, daher haben wir den allerersten Creme-Termin des Tages. Im Creme-Zimmer schmiere ich ihn von Kopf bis Fuss ein, und eine Krankenschwester verbindet seine Hände, Füsse und sein Gesicht. Mein kleines Schlossgespenst, so nenne ich ihn.

Dann gehen wir zum Frühstück. Hier gibt es Rotationsdiät, das Essen wiederholt sich nach vier Tagen. Söhnchen bekam einen für ihn und seine (noch zahlreicher gewordenen) Allergien angepassten Plan. Ich füttere ihn und verspeise dann mein kalt gewordenes und sehr vollwertiges Essen (heute Buchweizenbrot, morgen Tofu,...). Von diesen Tätigkeiten ist er meist so erschöpft, dass ein erstes Tagesnickerchen nötig ist. Und schon gehts wieder zum Eincremen...

So verbringen wir unsere Tage, Eincremen und Essen sind die Fixpunkte. Ich lese viel, gehe mindestens zweimal mit ihm spazieren, tratsche mit den Zimmernachbarinnen.

Seine Haut sieht jetzt schon besser aus, allerdings habe ich das auch nicht anders von der Cremerei erwartet. Die Frage ist aber, ob wir langfristig Besserung erzielen können. Ich habe heute 2 Damen getroffen, die mit ihren Kindern vor einem Jahr hier waren und jetzt zur Nachuntersuchung gekommen sind, den Kids geht es blendend. Auch die Allergiewerte haben sich bedeutend gebessert. Es gibt also HOFFNUNG!

Ich denke, wir haben die richtige Entscheidung getroffen, hierher zu kommen (und hätten es schon viel früher machen sollen, vielen Dank auch, Frau Dr. Harter!!!). Allein der Allergietest, bei dem zusätzlich zu den Nahrungsmitteln jetzt auch Latex-, Pollen-, Hund- und Katzenallergie festgestellt wurden. Zitat Iryna: "Wow, Ihr habt nach 3 Tagen schon mehr herausgefunden als ich in 4 Wochen Borkum!"

Apropos Hund- und Katzenallergie. Das bedeutet natürlich, dass wir uns eine neue Tagesmutter suchen müssen. Und dass Söhnchen nicht mehr die Oma besuchen kann. Naja, wie heisst es so schön, es gibt keine Probleme, nur Aufgaben?

Heute abend kommen BE und Töchterchen, juhu!

Freitag, 7. August 2009

Entwicklungen

Heute ist Freitag. Letzten Dienstag erklärte der Wunderheiler, dass Söhnchen jetzt auch eine Allergie gegen Stutenmilch entwickelt hat und jetzt gar keine Tiermilch mehr geht. Die letzte Milch-Option: Soja. Es gibt Babynahrung auf Sojabasis, allerdings ist Dr. Google da nicht so begeistert von. Soja steht im Verdacht, weibliche Hormone zu beinhalten - also genau das Richtige für einen kleinen Jungen mit Hodenhochstand.

ABER

Seit wir auf diese Soja-Nahrung umgestellt haben, wird seine Haut täglich besser! Man kann richtig dabei zusehen. Sie hörte auf zu nässen, die hellen gesunden Stellen gewinnen den Kampf gegen die roten, die Haut wird spürbar glatter. Auch das Jucken/Kratzen wird weniger, auch wenn dort die Schlacht noch lange nicht gewonnen ist. Wenn er es schafft, sich in der Nacht dem Wickeltuch zu entkommen, dann wird gekratzt und gerieben. Ich weiss immer noch nicht, wie unsere Nächte nach dem Wickeltuch aussehen werden - aber über diese Brücke gehen wir, wenn es soweit ist.

Und noch zwei weltbewegende Dinge sind heute passiert:

- der erste Zahn!
- das erste Mal vom Rücken auf den Bauch gedreht! (Hab ich leider verpasst, der BE hats gesehen)

Also auf zu neuen, gesunden, aufregenden Ufern!

Montag, 13. Juli 2009

Hokus Pokus Update

Iryna, eine Freundin von mir, deren Sohn auch Neurodermitis hat, war auch beim Wunderheiler und ist ebenfalls mit einer langen Liste von Unverträglichkeiten sowie einer gehörigen Portion Skepsis zurückgekommen. Aber vielleicht ist doch was wahres dran. Gegen den Schnupfen ihres Sohnes hatte sie nämlich gedünstete Zwiebeln in sein Zimmer gestellt, was die Nase auch befreit hat, aber 2 Tage lang heftige Kratzanfälle auslöste. Und siehe da, in seiner Allergieliste stehen Zwiebeln! (Stehen bei uns übrigens nicht, wir haben die Listen verglichen, es ist nicht so, dass der Mann bei allen Kindern etwa das gleiche behauptet.)

Naja, nächste Woche hat Söhnchen bei ihm täglich Termine, zum Allergie-"löschen". Schaun mer mal... Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt...

Montag, 6. Juli 2009

Hokus Pokus

Jeder hat sicher schon mal kopfschüttelnd von jemandem gehört, der mit einer lebensbedrohlichen Krankheit zu irgendeinem Kurpfuscher/Schamanen/Wunderheiler gegangen ist. Wie kann der nur? Wie kann man nur so blöd sein?

Antwort: wenn man verzweifelt genug ist, dann klingt plötzlich auch der verrückteste Hokus Pokus ganz rational.

Wir versuchens jetzt mit "Vitalfeldtherapie". Der Flyer, den der Arzt mir dazu mitgegeben hat, enthält soviele Fremdwörter, das klar ist, dass die auch keine Ahnung haben, wie es funktioniert (so es denn funktioniert). Teuer genug ist es allemal. Die erste Sitzung, bei der der Arzt (ja, ein Dr. med.) mittels einer Art Wünschelrute festgestellt hat, dass Söhnchen gegen so ziemlich alles unter der Sonne allergisch ist, kostete stolze 150 Euro. Plus 130 Euro Medikamente. Plus 7 Sitzungen, bei denen besagte Allergien "gelöscht" werden, a 50 Euro.

Wenn meine Hebamme nicht auf den Mann schwören würde... Jedenfalls, so ganz verkehrt lag er mit seiner Allergiediagnose nicht. Söhnchen scheint neben Nahrungsmitteln auch auf Wolle und Daunen zu reagieren. Und die Apothekenbabynahrung verträgt er wohl auch nicht. Jetzt kriegt er Stutenmilch. Flüssiges Gold. Der Liter zu 15 Euro. Aber es scheint zu helfen! Seit drei Tagen kratzt er weniger. Bitte bitte bitte, lass das der Beginn einer wunderbaren, kratzfreien Zukunft sein!

Dienstag, 26. Mai 2009

Das N-Wort

Eigentlich wollte ich, der Fairness halber, einige positive Worte auflisten, die mit N anfangen. Aber mir wollen da partout keine Beispiele einfallen. Dafür denke ich sofort an Nein, Negativ, Nihilismus (sorry, mein Gehirn funktioniert manchmal merkwürdig) und natürlich:

Neurodermitis

Die letzten Wochen waren alle von diesem verdammten N überschattet. Jeden Abend gehen wir ins Bett und hoffen, dass es über Nacht wenigstens ein klein wenig besser wird, ein kleines bisschen weniger nässend, weniger juckend, weniger verschorft... Und wochenlang hab ich mich selbst betrogen, denn wenn ich lange genug gesucht habe, dann hab ich sicher irgendwo eine Stelle gefunden, die ganz ganz sicher etwas blasser war als gestern...

Bis letzte Woche ein Satz meines BE (Besten Ehemanns von Allen) mir die Augen öffnete: "Wir verlieren den Kampf." Es ist schon merkwürdig, wie manchmal ein einziger Satz einem die Scheuklappen wegreißt. Ein Satz, um zu erkennen, wie sehr man dieser Hure Hoffnung verfallen war. Aber wie sonst kann man Tag für Tag diesen kleinen Körper im Arm halten, dieses kleine süße Gesichtchen ansehen, in dem strahlende blaue Augen umgeben sind von Furchen, Narben, Schorf, roter nässender Haut? Wie kann man das ohne Hoffnung ertragen?

Und natürlich: the bitch is back. Die Hoffnung ist wieder da. Wir haben auf HA-Milch umgestellt und betupfen die nassen Stellen mit Stiefmütterchentee. Und vielleicht sieht er wirklich etwas besser aus. Wir haben einen Allergietest gemacht, und wie es scheint, ist er so ziemlich gegen alles unter der Sonne allergisch: Milcheiweiss, Weizen, Hühnereiweiss, Hühnereigelb, Mandeln, Haselnüsse,... Da wird er wohl von Anfang an lowcarb ernährt werden. Dann wird er wenigstens nicht mit meinen Figurproblemen zu kämpfen haben.

Aber ein Schritt nach dem anderen. Sollte sich mit diesen Einschränkungen seine Haut wirklich bessern, dann kriegen wir das schon hin. Und vielleicht verwächst es sich ja noch (da! Schon wieder! Hoffnung lässt sich einfach nicht unterkriegen!)