Irgendwann nach Töchterchens Geburt setzten der WiederBeste Ehemann und ich uns zusammen und fragten uns, wann wir dieses Langzeitexperiment Kindererziehung als Erfolg ansehen können. Um Erfolg messbar zu machen, sind bekanntlich klar definierte Ziele nötig. Hier sind unsere:
1) keine harten Drogen
2) keine Prostitution
3) keine Ernährungsstörungen wie Magersucht etc.
4) keine Kriminalität, es sei denn, sie lohnt sich*
5)**
Wenn wir das schaffen, dann sind wir davon überzeugt, dass sich der Rest, wie schulische Erfolge usw von selbst ergibt.
Seit heute morgen bin ich aber mehr denn je darüber besorgt, wie man in der heutigen Zeit des Schlankheitswahns wohl Nummer 3) erreichen kann. Töchterchen ist sehr zierlich (war ich als Kind auch mal, aber das ist seeeehr lange her) und die meisten Hosen sind entweder zu weit oder zu kurz. In Amiland fand ich endlich eine Skinny Jeans, die ihr perfekt passt. So eine richtige Röhrenjeans, so eng, dass an- und ausziehen gar nicht so einfach ist. Nachdem sie sich heute morgen hineingekämpft hatte, strich sie liebevoll über ihr blau gekleidetes Bein und sagt: "Ich liebe diese Jeans, da sehen die Beine so dünn drin aus!"
:-(
*Definition "es lohnt sich": genug, um in ein Land auszuwandern, das mit westlichen Ländern keinen Auslieferungsvertrag, dafür Strand und Sonne hat und sein restliches Leben komfortabel dort zu verbringen.
** Ich hätte schwören können, es waren fünf Ziele, aber das fünfte fällt mir grad nicht mehr ein...
Montag, 8. Oktober 2012
Freitag, 5. Oktober 2012
Von Wespen und Läusen
Irgendwann im Sommer sah ich, dass Wespen sich wohl ein Nest im Mauergestein unterm Dach gebaut hatten, zumindest flogen sie da eifrig in einem Spalt auf 3 Meter Länge ein und aus. Da man das Dach hätte abdecken und die Mauer aufschlagen müssen Da ich ein friedlicher und naturliebender Mensch bin, liessen wir die Wespen leben und erfreuten uns einer mehr oder weniger friedlichen Koexistenz. Na gut, eine stach mich mal in den Nacken, als ich nichts böses ahnend am Computer arbeitete, aber Revoluzzer gibt es halt überall.
Der Herbst kam heran und wir hatten die Wespen mittlerweile schon ganz vergessen, als ich gestern Söhnchen zum Mittagsschlaf hinlegen wollte und ein auffälliges Gesumm und Gebrumm hörte. Ich blickte nach oben, zum Dachfenster, wo sich mir ein Hitchcock-Bild darbot. Bestimmt fünfzig Wespen krabbelten und flogen am Fenster. Im Kinderzimmer!
Mir war sofort klar, was passiert war: die Wespen waren der Wärme gefolgt und hatten sich durch das Holz und Mauerwerk gefressen, bis sie im Kinderzimmer landeten. Oje.
Der Geruhsamste Ehemann, mit dieser überraschenden Tatsache konfrontiert, erkannte gleich, dass ich Aktionismus von ihm einforderte und meinte daher gemütlich, da hätte wohl jemand ein Fenster aufgelassen. Wie bitte?
Wie meistens, behielt ich recht. Obwohl alle Wespen des Tages im Staubsauger endeten, setzten neue Mitglieder des Schwarms die Invasion am nächsten Tag fort. Da der NichtGanzBesteEhemann auf Arbeit weilte und praktischerweise auch sein Handy zu Hause liegen gelassen hatte, und weil ich ja sooooo viel Zeit habe, ich bin ja eh da, hängte ich mich ans Telefon und versuchte, einen Spezialisten dazu zu bewegen, jetzt gleich und sofort unserer Wespenplage Herr zu werden. Das Ergebnis? Man kaufe ein Insektenspray und sprühe die Balken von innen und aussen ein, das würde dann zumindest das Krabblerproblem für dieses Jahr erledigen. Dass man das Problem damit nur auf den Frühling verschiebt, wenn die überwinterte Königin neu loslegt... Und dass so ein Zeuch weder für Wespen noch für Kinder gesund ist...
Aber keine Sorge. Noch leben sowohl Wespen als Kinder, da der Gemütlichste Ehemann gestern abend wegen des Regens und heute morgen wegen des Vergessens nicht aufs Dach klettern konnte. Und im Kinderzimmer selber, da sind wir uns einig, wird kein Insektengift versprüht. Also bleiben die Wespen noch ein paar Tage länger Thema bei uns.
Und weil ein Krabbeltier selten allein kommt und mein Tag noch nicht aufregend genug war, erfuhr ich beim abendlichen Elternabend, dass seit Februar in Töchterchens Klasse immer wieder Läuse auftreten und zwar NUR in ihrer Klasse, ergo muss es ein oder mehrere Kinder geben, die nichtsahnend diese Läuse immer wieder weitergeben. Anscheinend geht Lausbefall nicht immer mit Kopfkratzen einher, und "normaler" Befall sind gerade mal 10 Läuse, und die sind wirklich superklein und hellbraun, ganz schlecht sichtbar, können einem also wirklich leicht durch die Lappen gehen. Ich weiss es jetzt, eine Mama hat ein Blatt mit zwei Exemplaren drauf mitgebracht.
Brrrrr. Und jetzt kann ich leider nicht mehr tippen, mich juckts!
Der Herbst kam heran und wir hatten die Wespen mittlerweile schon ganz vergessen, als ich gestern Söhnchen zum Mittagsschlaf hinlegen wollte und ein auffälliges Gesumm und Gebrumm hörte. Ich blickte nach oben, zum Dachfenster, wo sich mir ein Hitchcock-Bild darbot. Bestimmt fünfzig Wespen krabbelten und flogen am Fenster. Im Kinderzimmer!
Mir war sofort klar, was passiert war: die Wespen waren der Wärme gefolgt und hatten sich durch das Holz und Mauerwerk gefressen, bis sie im Kinderzimmer landeten. Oje.
Der Geruhsamste Ehemann, mit dieser überraschenden Tatsache konfrontiert, erkannte gleich, dass ich Aktionismus von ihm einforderte und meinte daher gemütlich, da hätte wohl jemand ein Fenster aufgelassen. Wie bitte?
Wie meistens, behielt ich recht. Obwohl alle Wespen des Tages im Staubsauger endeten, setzten neue Mitglieder des Schwarms die Invasion am nächsten Tag fort. Da der NichtGanzBesteEhemann auf Arbeit weilte und praktischerweise auch sein Handy zu Hause liegen gelassen hatte, und weil ich ja sooooo viel Zeit habe, ich bin ja eh da, hängte ich mich ans Telefon und versuchte, einen Spezialisten dazu zu bewegen, jetzt gleich und sofort unserer Wespenplage Herr zu werden. Das Ergebnis? Man kaufe ein Insektenspray und sprühe die Balken von innen und aussen ein, das würde dann zumindest das Krabblerproblem für dieses Jahr erledigen. Dass man das Problem damit nur auf den Frühling verschiebt, wenn die überwinterte Königin neu loslegt... Und dass so ein Zeuch weder für Wespen noch für Kinder gesund ist...
Aber keine Sorge. Noch leben sowohl Wespen als Kinder, da der Gemütlichste Ehemann gestern abend wegen des Regens und heute morgen wegen des Vergessens nicht aufs Dach klettern konnte. Und im Kinderzimmer selber, da sind wir uns einig, wird kein Insektengift versprüht. Also bleiben die Wespen noch ein paar Tage länger Thema bei uns.
Und weil ein Krabbeltier selten allein kommt und mein Tag noch nicht aufregend genug war, erfuhr ich beim abendlichen Elternabend, dass seit Februar in Töchterchens Klasse immer wieder Läuse auftreten und zwar NUR in ihrer Klasse, ergo muss es ein oder mehrere Kinder geben, die nichtsahnend diese Läuse immer wieder weitergeben. Anscheinend geht Lausbefall nicht immer mit Kopfkratzen einher, und "normaler" Befall sind gerade mal 10 Läuse, und die sind wirklich superklein und hellbraun, ganz schlecht sichtbar, können einem also wirklich leicht durch die Lappen gehen. Ich weiss es jetzt, eine Mama hat ein Blatt mit zwei Exemplaren drauf mitgebracht.
Brrrrr. Und jetzt kann ich leider nicht mehr tippen, mich juckts!
Dienstag, 18. September 2012
Erfolg
Söhnchen kommt aus dem Kindergarten und mein geschultes Auge erfasst sofort, dass er anders aussieht als noch heute morgen.
"Ups, was ist denn passiert?" Mir schwant böses, auch bei einem windelfreien Kind kann es ja immer mal einen Unfall geben.
Er strahlt mich an: "Ich hab am Tisch den grossen Wasserbecher umgeschubst!"
Ich lache mit ihm, freue mich, dass es nicht zu Hause passiert ist und frage dann rein rhetorisch: "Und dann hast Du Dich von oben bis unten nass gemacht?" Rhetorisch, da mir sowohl Pulli als auch Hose unbekannt sind.
Aber da schüttelt er wild den Kopf, zeigt auf denselben und ruft: "Nein, die Haare sind trocken!"
"Ups, was ist denn passiert?" Mir schwant böses, auch bei einem windelfreien Kind kann es ja immer mal einen Unfall geben.
Er strahlt mich an: "Ich hab am Tisch den grossen Wasserbecher umgeschubst!"
Ich lache mit ihm, freue mich, dass es nicht zu Hause passiert ist und frage dann rein rhetorisch: "Und dann hast Du Dich von oben bis unten nass gemacht?" Rhetorisch, da mir sowohl Pulli als auch Hose unbekannt sind.
Aber da schüttelt er wild den Kopf, zeigt auf denselben und ruft: "Nein, die Haare sind trocken!"
Montag, 13. August 2012
Ja, Herr Doktor
Söhnchen streckt mir seine verwundete Zehe hin, damit ich ein Pflaster darum wickeln kann. Ich erkenne dies als einen perfekten "teaching moment" und sage:
"Liebling, erinnerst Du Dich noch daran, wie ich vorhin mit Dir schimpfen musste, weil Du 'Kaka' zu mir gesagt hast? Wenn Du so etwas zu mir sagst, dann tut mir das weh, nicht an der Zehe, aber innendrin", und für den melodramatischen Effekt füge ich hinzu: "in meinem Herz tut das dann weh."
Söhnchen schaut sinnend auf seine bepflasterte Zehe. Das gibt ihm eine Idee - als echter kleiner Mann will er Probleme natürlich lieber lösen als sie zu besprechen:
"Willst Du ein Pflaster auf Dein Herz haben?"
"Liebling, erinnerst Du Dich noch daran, wie ich vorhin mit Dir schimpfen musste, weil Du 'Kaka' zu mir gesagt hast? Wenn Du so etwas zu mir sagst, dann tut mir das weh, nicht an der Zehe, aber innendrin", und für den melodramatischen Effekt füge ich hinzu: "in meinem Herz tut das dann weh."
Söhnchen schaut sinnend auf seine bepflasterte Zehe. Das gibt ihm eine Idee - als echter kleiner Mann will er Probleme natürlich lieber lösen als sie zu besprechen:
"Willst Du ein Pflaster auf Dein Herz haben?"
Kindermund tut Wahrheit kund
Söhnchen kommt bester Laune zu uns ins Schlafzimmer und klettert zu mir ins Bett. Dann rümpft er aber seine kleine Nase:
"Mama, Du riechst!", verkündet er eine unangenehme Wahrheit. Er sieht aber sofort eine Lösung des Problems.
"Mama muss duschen", sagt er, um mich gleich darauf mit den Worten zu trösten:
"Mama is aber trotzdem kuschelig."
"Mama, Du riechst!", verkündet er eine unangenehme Wahrheit. Er sieht aber sofort eine Lösung des Problems.
"Mama muss duschen", sagt er, um mich gleich darauf mit den Worten zu trösten:
"Mama is aber trotzdem kuschelig."
Donnerstag, 2. August 2012
Falscher Urlaub
Söhnchens neuer bester Kumpel Mark ist bereits in den Urlaub entschwunden, sehr zum Leidwesen unseres kleinen Mannes.
"Heute war Mark wieder nicht im Kindergarten!" erklärt er mir mittags empört.
Ich nicke. "Ja, der ist schon im Urlaub. Aber in zwei Wochen fahren wir auch in Urlaub.", versuche ich ihn darüber hinwegzutrösten.
Sein Gesichtchen leuchtet auf. "Ja, und im Urlaub treffen wir Mark!"
Ich muss lachen, aber erkläre dann schnell, dass wir in einen anderen Urlaub fahren, schliesslich will ich nicht drei Wochen lang Fragen beantworten, warum Mark immer noch nicht auftaucht.
Als Papa abends heimkommt, springt Söhnchen zu ihm und ruft: "Papa, Mark ist schon im Urlaub, aber da treffen wir ihn nicht, weil wir fahren in einen richtigen Urlaub!"
"Heute war Mark wieder nicht im Kindergarten!" erklärt er mir mittags empört.
Ich nicke. "Ja, der ist schon im Urlaub. Aber in zwei Wochen fahren wir auch in Urlaub.", versuche ich ihn darüber hinwegzutrösten.
Sein Gesichtchen leuchtet auf. "Ja, und im Urlaub treffen wir Mark!"
Ich muss lachen, aber erkläre dann schnell, dass wir in einen anderen Urlaub fahren, schliesslich will ich nicht drei Wochen lang Fragen beantworten, warum Mark immer noch nicht auftaucht.
Als Papa abends heimkommt, springt Söhnchen zu ihm und ruft: "Papa, Mark ist schon im Urlaub, aber da treffen wir ihn nicht, weil wir fahren in einen richtigen Urlaub!"
Mittwoch, 1. August 2012
Die Jugend von heute...
Wenn man so auf der Wasserscheide zwischen Jugend und Alter steht wie unsereiner und der Abstand von Anfang und Ende ungefähr gleich weit weg erscheint, dann häufen sich die Erlebnisse, bei denen ich hin- und hergerissen bin, wie ich reagieren möchte. Noch sind meine inneren Doppelgänger, das Mädchen und die Alte, gleich stark, aber ich fürchte das Gleichgewicht der Kräfte verschiebt sich jeden Tag mehr.
Gestern war wieder so ein Schicksalstag, ein Tag, an dem ich mich bei einem Gedanken erwischt habe, von dem ich früher überzeugt war, dass ich ihn nie nie nie selbst denken würde.
Die Kinder und ich durchstöberten unsere Bücherei. Ich liebe Bücher, unser Haus ist voll davon, und glücklicherweise haben beide Kids meine Bücherbegeisterung geerbt. Sie haben auch schon früh gelernt, dass ich sehr allergisch darauf reagiere, wenn man Bücher zerreisst, bekritzelt oder verknickt, und gehen dementsprechend gut mit ihnen um.
Söhnchen sass glücklich in der Kinderecke im Schaukelstuhl und blätterte in einem Buch. Da erschien ein Junge aus seiner Kindergartengruppe auf der Bildfläche. Das übliche grosse Hallo und Verbrüderung erfolgte, dann verzogen sich die beiden hinter ein Regal. Böses ahnend schlich ich ihnen nach und musste sehen, wie der Dreikäsehoch wahllos Bücher aus dem Regal auf den Boden warf. Ich ging hin und sagte: "Du, Bücher muss man achtsam behandeln, die müssen wir wieder einräumen." Und was entgegnete der Lausbub?
"Nein! Du redest nur Quatsch!", dreht sich um und rennt weg.
Und da sah ich die Alte in meinem Kopf, die mit dem Gehstock droht und zahnlos vor sich hin schimpft: "Die Jugend von heute wird immer frecher!"
Gestern war wieder so ein Schicksalstag, ein Tag, an dem ich mich bei einem Gedanken erwischt habe, von dem ich früher überzeugt war, dass ich ihn nie nie nie selbst denken würde.
Die Kinder und ich durchstöberten unsere Bücherei. Ich liebe Bücher, unser Haus ist voll davon, und glücklicherweise haben beide Kids meine Bücherbegeisterung geerbt. Sie haben auch schon früh gelernt, dass ich sehr allergisch darauf reagiere, wenn man Bücher zerreisst, bekritzelt oder verknickt, und gehen dementsprechend gut mit ihnen um.
Söhnchen sass glücklich in der Kinderecke im Schaukelstuhl und blätterte in einem Buch. Da erschien ein Junge aus seiner Kindergartengruppe auf der Bildfläche. Das übliche grosse Hallo und Verbrüderung erfolgte, dann verzogen sich die beiden hinter ein Regal. Böses ahnend schlich ich ihnen nach und musste sehen, wie der Dreikäsehoch wahllos Bücher aus dem Regal auf den Boden warf. Ich ging hin und sagte: "Du, Bücher muss man achtsam behandeln, die müssen wir wieder einräumen." Und was entgegnete der Lausbub?
"Nein! Du redest nur Quatsch!", dreht sich um und rennt weg.
Und da sah ich die Alte in meinem Kopf, die mit dem Gehstock droht und zahnlos vor sich hin schimpft: "Die Jugend von heute wird immer frecher!"
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